Die Gespenstersonate: Musik zerquälter Seelen
Mit modernen Opern ist das so eine Sache: meist sind die Libretti ein klein wenig intelligenter als bei so manchem landauf, landab gespielten Opernliebling. Als bei „Il Trovatore“ beispielsweise. Nur, die Musik...man kann von „Trovatore“ sagen, was man will, aber sicher nicht, dass die Musik nicht eingängig sei. Das wiederum fällt wohl den wenigsten ein, wenn sie an moderne Opern denken.
Kluge Libretti, wenig eingängige Musik. Damit wäre auch schon Aribert Reimanns Oper „Die Gespenstersonate“, nach dem gleichnamigen Drama von August Strindberg, durchaus nicht unrichtig beschrieben. Die Melodien, die Gesangsphrasen, die den Sängern von Reimann in den Mund gelegt werden, sind nicht eingängig, Punkt. Sie wollen es aber auch nicht sein. Und vor allem: sie müssen es nicht sein.
Die Gespenstersonate: Aribert Reimann absurd
Reimann hat sich Zeit seines Opernkomponistendaseins für den Menschen, der mindestens mit der Zehenspitze, wenn nicht gar einem ganzen Fuß gefährlich nahe an der Anweisung in eine Aufbewahrungsanstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher steht, interessiert, für die schrägen Vögel, für die absurden Situationen. „King Lear“ und „Das Schloß“ sind zwei solcher Beispiele, die „Gespenstersonate“ ein drittes.
Schwer vorstellbar, dass eine dieser handelnden Personen etwas wie (um noch einmal den armen „Trovatore“ zu bemühen) „Di quella pira“ oder „Il balen del suo sorriso“ singen könnte. Musik, die diesen zerquälten Seelen gerecht werden will, kann nicht in herkömmlicher Manier melodisch oder gefällig daherkommen. Dass sie dennoch eine geradezu magnetische Kraft entfaltet, ist der hohen Kunst Reimanns geschuldet, dem es immer wieder aufs Neue gelingt, dem Menschen in allen seinen Facetten, den guten und den weniger guten, berührenden Ausdruck zu verleihen.
Besetzung der Gespenstersonate
Musikalische Leitung: Daniel Hoyem-Cavazza
Inszenierung: Peter Pawlik
Ausstattung: Cordelia Matthes
Lichtdesign: Christian Weißkircher
Direktor Jakob Hummel, der Alte: Hans Gröning
Der Student Arkenholz: Alexander Mayr
Der Oberst: Brian Galliford
Amalie - die Mumie, Frau des Oberst: Karin Goltz
Fräulein Adele, ihre Tochter: Cornelia Horak
Johansson, Diener bei Hummel: Ted Schmitz
Bengtsson, Bedienter beim Oberst: Andreas Jankowitsch
Die dunkle Dame, Tochter des Toten: Annette Schönmüller
Die Köchin beim Oberst: Elisabeth Wolfbauer
Das Milchmädchen, eine Vision: Fiona Hammerl, Ylva-Maj Rohsmann (alternierend)
Die Portiersfrau: Renate Schawitz
Der tote Konsul, von Hummel ermordet: Gerhard Dominek
Baron Skanskorg, Liebhaber der Mumie: Ottwald John
Fräulein Holsteinkrona, Hummels Verlobte: Nera Nicol
Orchester der Wiener Kammeroper
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